afkari افكاري

Ein nicht immer wissenschaftlicher Islamwissenschaftsblog

Warum eigentlich Islamwissenschaft? Und… was ist das?

Wie ich darauf gekommen bin, Islamwissenschaft zu studieren? Asterix ist schuld. Genauer gesagt sein Besuch bei Kleopatra. Ohne diesen Comic in der von unserem Meerschweinchen Trotzki angeknabberten Asterix-Sammlung meines Papas hätte ich vielleicht doch BWL studiert. Oder Jura. Oder so. Irgendwas jedenfalls, das bekannt ist. Aber die ausführliche Lektüre von „Asterix und Kleopatra“ beziehungsweise das ausführliche Anschauen der Bilder (lesen konnte ich beim Erstkontakt noch nicht) brachten mich auf die Idee, dass das Alte Ägypten echt geil gewesen sein muss. Natürlich nicht für alle. Den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen zu werden, ist sicherlich weniger geil. Als Königin muss es aber schon gerockt haben. Allein die abgefahrenen Kleider und Hüte und die Fortbewegungsmittel… toll. Außerdem war Kleopatra so unglaublich selbstständig und hat sich nichts gefallen lassen. Ich war Fan. Bald auch von Liz Taylor in Gold (wieder tolle Klamotten, Hüte und Fortbewegungsmittel).

von Trailer screenshot (Cleopatra trailer) [Public domain], via Wikimedia Commons

Und, mittlerweile des Lesens mächtig und dadurch in der Lage die historische Kleopatra kennen zu lernen, auch von der. Alter Schwede, die Frau hat es drauf gehabt. Gut, sie ist nicht wirklich alt geworden. Aber bis dahin… coole Sau.

Dann gab’s zu Weihnachten „Götter, Gräber und Gelehrte“ und nach dem Kapitel über Champollion und seine Entschlüsselung der Hieroglyphen ist das Ziel klar: Klein-Julchen wird Ägyptologin, wenn sie groß ist.

Naja, gegen Ende meiner Schullaufbahn bin ich dann doch vernünftig geworden. Jedenfalls halbwegs. „Studiere Ägyptologie und du bist arbeitslos“. So ähnlich klang die Beschreibung diverser Universitäten zum Fach Ägyptologie. Nach dem schriftlichen Abi, da wurde es ja auch langsam Zeit, hab ich dann herausgefunden, welche Studiengänge es außer BWL, Medizin und Jura eigentlich noch so gibt. Dadaaaa, Islamwissenschaft. Naher Osten, fremde Kulturen, fremde Sprachen (meine Mama kann es bis heute nicht fassen, dass ich ein Studium mit drei neuen Sprachen absolviert habe. Meine Französischlehrerinnen werden ihr da auch sicher recht geben), nicht ganz so miserable Berufsaussichten wie Ägyptologie… mach ich. Außerdem habe ich als Kindergartenkind meinen Namen immer von rechts nach links geschrieben. Wenn das mal kein Zeichen dafür ist, dass mir schon immer bestimmt war, Arabisch zu lernen. Also habe ich Islamwissenschaft studiert.

Meine Studienwahl führt immer wieder zu einem bestimmten Gespräch:

„Was machst du so?“ – „Ich studiere.“ – „Was studierst du?“ – „Islamwissenschaft.“ – „Was?“ – „Islamwissenschaft.“ – „Aha… und was macht man da?“

Der letzte Satz wird gerne ergänzt durch: „Hast du einen türkischen Freund?“, „Aber du siehst gar nicht aus wie eine Muslimin?!“, „Bist du also Islamistin?“, „Was macht man damit, wenn man fertig ist?“.

Nein, mein Freund ist nicht Türke und ich begreife immer noch nicht, was das genau miteinander zu tun hat, ich sehe nicht aus wie die landläufige Vorstellung einer Muslimin (obwohl ich gewisse Übung im Kopftuchtragen habe, die Zigarette und das Red Bull stehen mir dazu auch sehr gut, wie ich finde) und nein, ich kann keine Bomben bauen.

Persepolis

Ich kann etwas über die islamische Kultur erzählen. Über die Religion, natürlich. Über die Geschichte und Entwicklung. Und in einem Land, in dem ausschließlich Arabisch gesprochen würde, könnte ich wohl überleben.

Und was wir Islamwissenschaftler mit unserem fertigen Studium machen? Ich schreibe einen Blog (tatsächlich arbeite ich auch noch so richtig und für Geld, aber wen interessiert das schon), manche leben in Indonesien, in der Mongolei oder sie promovieren und bleiben in Tübingen. Andere gehen zum Geheimdienst. Es kann auch sein, wir werden früher oder später alle Taxifahrer. Einen Job finden wir aber  alle. Wir sind ja schließlich Akademiker. Und haben es vermieden, Ägyptologie zu studieren.

15 Kommentare

  1. wunderbar. ich schmeiss mich weg.

  2. Komm nur du nicht auf die Idee nach Indonesien oder in die Mongolei zu gehen und grüße mir den Türken Kotta. 😉

  3. Da hat die Jule n Blog und ich entdecks jetzt erst.
    Gute Sache, weitermachen. Oder weiter machen? Hab zu viel Asterix nachgestellt, kann nix mehr deutsch/Deutsch.
    Küsseeeeee!

    • Jule

      8. Mai 2014 at 8:52

      Na, so lange gibt’s das Ding ja noch nicht. Ist also noch keine Schande, dass du es „erst“ jetzt entdeckst. Küsse für dich.

  4. Selbst wenn Du Ägyptologie studiert hättest…. Alles besser als BWL… ;o)

    Sehr schön geschrieben. Solltest Du mal in die arabische Welt reisen und Dich nicht in irgendwelchen abgeschlossenen Turiverwahr- und Bespaßungsanstalten* aufhalten, schreibe bitte – bitte! – Reiseberichte.

    Ich würde ja so gerne mal den Iran bereisen… Btw. Kennst Du Rafik Shami?

    *davon gehe ich aus. Aber sowas von!

  5. Jule

    8. Mai 2014 at 8:50

    Lieber Olaf,
    ein Bericht über meinen Aufenthalt in Syrien 2008 ist in Planung. In Iran war ich 2010. Gerne mach ich auch darüber etwas.
    „Die dunkle Seite der Liebe“ von Rafik Schami gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Hast du das gelesen?
    Viele Grüße von hier zu dir,
    Julia

    • Ja habe ich. Die Liebe lebt. Zu allen Zeiten, unter allen Umständen und in jeder Gesellschaft. Geil, wa? ;o)

      Wegen diesem Buch habe ich mich in den Iran verliebt. Aber ich befürchte, dass ich ihn niemals zu Gesicht bekommen und die Menschen dort kennenlernen werde. Gerade auch wegen dieser ganzen politischen Moppelkotze und weil man hier ja fast automatisch verdächtig wird, sollte man sich als Fan für und nicht als nachplappernder Populist gegen dieses Land entscheiden. Aber vielleicht, das ist meine Hoffnung, braucht der Westen irgendwann mal iranisches Öl.

      Und dann hoffe ich, dass uns die Iraner das so teuer verkaufen wie es nur geht…

      • Jule

        9. Mai 2014 at 13:04

        Reisen nach Iran sind gar nicht unmöglich. Und auch nicht gefährlich.
        „Die dunkle Seite der Liebe“ spielt allerdings in Syrien. Und von dem, was Schami beschreibt, ist, befürchte ich, nicht mehr viel da.

        • Puhä…. Jetzt habe ich mich aber schön blamiert. Ich muss zugeben, dass ich „Die dunkle Seite der Liebe“ irgendwann mal vor einigen Jahren, ich glaube 2005 oder 2006 wars, gelesen habe. Und dann habe ich mich wohl falsch erinnert. Damaskus ist freilich in Syrien.

          Was den Iran betrifft hat mir ein dänischer Kollege erzählt, dass sein Bruder und seine Frau erst verhaftet und dann um Ausreise „gebeten“ worden, weil sie etwas „falsches“ fotografierten. Die Kamera durften sie behalten, die Aufnahmen selbst wurden gelöscht. Klar, da war bestimmt auch eine gehörige Portion Nichtbeachtung der lokalen Gepflogenheiten mit im Spiel, aber ganz so unkompliziert ist eine Reise dorthin wohl nicht.

          Na ja, ein schönes Beispiel über die Ahnungslosigkeit der Nordeuropäer (mit mir und dem Bruder meines Kollegen als Beispiel) über den Orient und ein Beweis für die Wichtigkeit Deines Blogs.

          Ich ziehe jetzt den Kopf ein und halte – vorerst – meine Klappe.

          • Jule

            9. Mai 2014 at 15:27

            Du hast dich nicht blamiert. Nur falsch erinnert. Das finde ich nicht tragisch.
            Natürlich ist eine Reise nach Iran mit etwas Aufwand und Vorbereitung (auch mentaler) verbunden. Es gibt durchaus einige Regeln, an die man sich halten muss. Da ist zum einen und am offensichtlichsten das Kopftuch für Frauen. Aber eben auch das Verbot, militärische und staatliche Einrichtungen zu fotografieren (dieses Verbot gilt übrigens auch in anderen Ländern. Beispielsweise in Syrien, aber auch in dem touristisch sehr erschlossenen Ägypten). Flughäfen, Atomkraftwerke und Urananreicherungsstätten sollten tunlichst nicht abgelicht werden. Wenn doch, kann es durchaus zur erbetenen Ausreise kommen.
            Ich hoffe, dass dein „vorerst“ nicht zu lange anhält, lieber Olaf. Ich freue mich über jeden Kommentar von dir.

  6. Barbara Hoffmann

    14. Mai 2014 at 19:51

    Sehr gut geschrieben, habe echt Freude daran es zu lesen. Nicht Taxifahren, ist blöd und auch gefährlich.

  7. Also, rein äußerlich jetzt… könnte doch hinhauen? ;P

    • Jule

      20. Mai 2014 at 8:00

      Natürlich. Wenn du magst, kann ich ja in Zukunft auf die „Hast du einen türkischen Freund“-Frage mit Fotos von dir und „Klar. Schau ihn dir doch an.“ antworten 😉
      Was mich aber immer noch nicht weiter bringt hinsichtlich: was hat das mit meinem Studium zu tun?

  8. Aber Jule, das ist doch ganz offensichtlich! Kleine Dicke werden Koch, lange Dünne Fensterputzer, die Hübschen studieren Design, die Hilfsbereiten Medizin, die Arroganten BWL und die spröden Jura.

    Ach und die Islamwissenschaftler? Na das sind die Neugierigen. Die findest Du auch unter den Biologen, Physikern und … als Kellner.

    *duckundweg* ;o)

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