afkari افكاري

Ein nicht immer wissenschaftlicher Islamwissenschaftsblog

Schlagwort: Demonstration für strengere Kleidervorschriften

Die andere Kopftuch-Demonstration – Nachtrag zu „Kleiderordnung in Iran“

Es gibt auch Aktionen der anderen Seite. Nicht als öffentliche Demonstration in den Straßen Teherans, sonder im Netz.

Masih Alinejad, eine iranische Journalistin, hat iranische Frauen gebeten, ihr Bilder ohne Kopftuch zu schicken. Diese zeigt sie auf ihrer Facebook-Seite Stealthy Freedom. Über den Aufruf der Exiliranerin Alinejad und die Ressonanz berichtet auch Spiegel Online.

 

Kleiderordnung in Iran

In Teheran wurde gestern demonstriert. Männer und Frauen demonstrierten für strengere Kleidervorschriften. Ja, ganz richtig. Für. Nicht dagegen. In Iran gilt die Scharia. Frauen werden also dazu angehalten, nein, sie sind laut Verfassung gesetzlich gezwungen, ihre Körper in weite Kleider zu hüllen und ein Kopftuch zu tragen.

Die Umsetzung dieser Verhüllung fällt dann aber doch sehr unterschiedlich aus. Meine deutschen Mitreisenden und ich wurden 2010 bereits am Frankfurter Flughafen von hilfsbereiten Iranern daraufhin gewiesen, dass wir das Kopftuch keinesfalls allzu streng tragen müssten. Demnach sollte es einfach auf dem Kopf sein, ob bis in die Stirn gezogen oder lediglich lose über den Kopf, sei egal.

In Teheran kam es mir dann tatsächlich vor, als wären wir mit unseren langen Blusen und den weiten Hosen weit entfernt von der dortigen Mode. Wir hatten unsere Kopftücher zwar auch lässig auf dem Hinterkopf sitzen und zeigten dementsprechend viel Haar. Aber die Mehrheit der Teheranerinnen trug dazu keinen langen Kittel, sondern Jeans, Pulli, Bluse, und das alles in durchaus körperbetonten Varianten.

Außerhalb von Teheran, in südlichen Städten wie Schiraz oder in der Wüstenstadt Yazd, sah das schon wieder anders aus. Viel mehr Frauen trugen den Tschador. Ein großes Tuch, das über den Kopf und um den Körper geschlungen wird und nur das Gesicht unbedeckt lässt. In einer Grabesmoschee im Süden Irans mussten wir uns einen Tschador leihen, um die Moschee besichtigen zu können. Angenehm war das nicht. Das Gefühl, dass wir uns für unsere Weiblichkeit schämen und diese verstecken müssen, wird auch durch ein lockeres Kopftuch und daraus hervorschauende Haare suggeriert. Die Tücher, die wir uns nun aber umschlingen sollten, verstärkten das noch und davon abgesehen, hatten sie auch schon eine ganze Zeit lang keine Wäsche mehr gesehen.

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In Yazd kamen wir ins Gespräch mit zwei jungen iranischen Studentinnen. Beide mit dem Tschador bekleidet. Und diese beiden jungen Frauen erklärten uns, dass der Tschador sie schütze. Schutz wovor? Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass damit der Schutz vor den Gelüsten der Männer gemeint ist. Aber ist es nicht traurig, davon auszugehen, jeder Mann bestände aus unkontrollierbaren Gelüsten?

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Auf diesem Bild erkennt man den Unterschied innerhalb der damals vorherrschenden Kleiderordnung sehr gut. Bei der Gruppe rechts handelt es sich zwar um meine Kommilitoninnen, aber die Klamotten entsprechen in etwa denen der beschriebenen Frauen in Teheran (wobei die vielleicht etwas enger geschnitten waren als unsere).

Es gibt also eine breite Spanne zwischen den verschiedenen Auslegungen des Kopftuch- und Verhüllungsgebots. Und die iranischen Sittenwächter, eine Abteilung der Polizei, die die Einhaltung der Kleidervorschriften überwachen soll, hat in den letzten Jahren vermehrt ein Auge zugedrückt. Oder vielleicht auch mit Wohlwollen aufgehalten, wenn eine schöne Frau ihre schönen Haare und ihren Körper nicht zur Gänze verhüllt. Schöne Dinge sind schließlich schön zum Betrachten. Das empfindet möglicherweise auch ein Sittenwächter so und mit animalischen Trieben und unkontrollierbaren Gelüsten hat das nichts zu tun. Der iranische Präsident Rohani selbst hatte 2013 zu mehr Toleranz in der Kleiderfrage aufgerufen. Doch einigen Iranern geht das zu weit. Männer und Frauen demonstrierten gestern. Für die Einhaltung strenger Kleidervorschriften.

Ich hoffe, die Frauen mit ihren schönen Haaren, ihren modischen Klamotten und ihrem selbstbewussten Gang lassen sich nicht einschüchtern. Ich hoffe, die Demonstranten erkennen, dass in der Weiblichkeit nichts Böses ist. Dass sie keine Waffe gegen den Mann und gegen die Moral ist. Sondern einfach ein Teil der Menschheit.

 

 

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