afkari افكاري

Ein nicht immer wissenschaftlicher Islamwissenschaftsblog

Schlagwort: Angelika Neuwirth

Die Sprache des Koran – Der Wandel in der westlichen Koranforschung und die Luxenberg-Debatte (XIV)

XIV. Resümee – wie ich das sehe

Muḥammad als fiktive, nachträglich konstruierte Person, der Koran als ein urchristliches Dokument und die Sprache des Koran als eine aramäisch-arabische Mischsprache. Diese Thesen revisionistischer Koranforscher wie Wansbrough, Crone und Cook aus den siebziger Jahren finden seit Beginn des 21. Jahrhunderts neuen Aufschwung durch die Arbeit Luxenbergs und in dessen Kielwasser auch durch die Arbeiten Ohligs. Luxenbergs These vom fehlgelesenen Koran und den als Paradiesjungfrauen missverstandenen weißen Weintrauben findet auch in der Nicht-Fachpresse seit mehr als zehn Jahren immer wieder großen Anklang und Verbreitung.[1] Weder Luxenberg noch Ohlig nennen die Werke Wansbroughs oder anderer Vertreter der Revisionisten als Grundlagen. Dies verwundert umso mehr, als doch bereits Günther Lüling 1974 in seiner Studie Über den Ur-Qurʾan die Ansicht vertritt, dass dem Korantext christliche Hymnen zugrunde liegen, die in einem dialektalen Arabisch verfasst sind. Aufgrund der mehrdeutigen arabischen Schrift wurden diese Hymnen fehlgelesen.[2] Diese Annahmen finden sich auch bei Luxenberg wieder. Bei Ohlig stehen ebenfalls früher aufgestellte und veröffentlichte Ansätze. Ähnlich wie Crone und Cook nutzt er ausschließlich nicht-islamische Quellen. Die Doctrina Iacobi findet sich sowohl in Hagarism als auch bei Ohlig.

Den meisten revisionistischen Arbeiten gemein ist die Annahme, dass die frühislamische Geschichte später konstruiert wurde. Gegen diese These werden vermehrt Argumente vorgebracht. Außer Nicolai Sinai und anderen lehnt auch Fred Donner die Behauptung von einer Geschichtsfälschung ab.

„The sceptical school asks us to believe that these ‘authorities’, whoever they were, could have tracked down every book and tradition contained in every manuscript in the whole Islamic community, from India to Spain, so that no view dissenting from the standard orthodox position was allowed to survive. Even if, for the sake of argument, we grant the existence of a ‘standard orthodoxy’, such comprehensive control is simply unbelievable, given the nature of society and the state of communications in the early Islamic world.”[3]

Sinais Argumentation bezüglich einer nachträglichen Konstruktion von Heils- und Entstehungsgeschichte erscheint mir denn auch sinnig. Innerhalb verschiedener Strömungen und Gruppierungen des Islams und auch einander feindlich gesinnter Parteien herrscht weitestgehend Konsens, wie die frühislamische Geschichte aussieht. Würde es sich dabei um Geschichtsfälschung handeln, gäbe es diesen Konsens wohl nicht. Kein Staatsapparat dieser Zeit hätte die Möglichkeit zu solch einer weitreichenden Zensur und Manipulation der Quellen.[4] Bedenkt man die Auseinandersetzungen, Anfeindungen und Kriege, die zwischen Sunniten und Schiiten seit dem Kalifat ʿAlīs herrschten und noch immer aufflammen, erscheint die Historizität als gegeben. Schließlich wäre es nur logisch, dass sich eine Partei von der anderen dadurch abgrenzt, wenn sie einer anderen Heilsgeschichte folgt. Das indes ist nur vorstellbar, wenn die Ereignisse rund um die Entstehung des Islam nicht im Gedächtnis der Glaubensgemeinschaft verankert und in Quellen glaubhaft belegt werden, sondern später durch Manipulation und Konstruktion entstanden sind. Diesem Argument folgt auch de Blois. Im Gegensatz zum Neuen Testament handelt es sich beim Koran um eine Schrift mit einem weitestgehend einheitlichen Stil und übereinstimmendem theologischen Inhalt. Trotz zahlreicher Differenzen herrscht unter den verschiedenen muslimischen Glaubensrichtungen und Sekten Einigkeit über den koranischen Kanon. Diese Einigkeit lässt sich bei verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen und Sekten bezüglich der Bibel nicht finden. Die Einheitlichkeit des Koran ist somit für de Blois ein Argument für die mündliche Überlieferung und gegen die revisionistischen Versuche, die als unhistorisch abzutun.[5]

Der Unterschied zwischen den früheren Werken Wansbroughs, Crones und Cooks und denen von Luxenberg und Ohlig besteht meines Erachtens darin, dass den Forschern der Wansbrough-Schule durchaus eine wissenschaftliche Vorgehensweise attestiert werden kann. Ihre Forschung brachte erstmals nichtliterarische und auch außerislamische Quellen in die Frühislamforschung ein.[6] Den Koran als Produkt eines Kommunikationsprozesses zu betrachten, stellt somit auch eine wichtige Neuerung in der Forschung dar.[7] Bei Luxenberg und Ohlig finden sich solch neue Erkenntnisse für die Forschung nicht. Davon abgesehen wirkt es schon befremdlich, dass ein Wissenschaftler unter Pseudonym veröffentlicht. Luxenbergs Erklärung für die Wahl eines Pseudonyms erscheint mir denn auch wenig einleuchtend.

„Wenn ich es nur mit Wissenschaftlern zu tun hätte, hätte ich, außer sich selbst entlarvenden Kritiken, nichts zu befürchten. Aber leider kann ich nicht ausschließen, dass radikale Islamisten meine Interpretation missverstehen und sie als Angriff auf den Koran und den Islam interpretieren. Ich wäre niemals auf die Idee eines Pseudonyms gekommen, wenn nicht jüngste Beispiele mich abgeschreckt hätten, wie Salman Rushdie und andere Beispiele.“[8]

Bei dieser Begründung läge es nahe, dass Luxenbergs Kollege Ohlig ebenfalls ein Pseudonym verwendet. Schließlich geht Ohlig nicht nur von einer Fehllesung des Koran aus, sondern glaubt aufzeigen zu können, dass der Prophet Muḥammad eine reine Erfindung des 8. und 9. Jahrhunderts ist.[9] Was wohl wirklich dazu geeignet wäre, den Zorn nicht nur radikaler Islamisten auf sich zu ziehen. Auf der Basis einer

„wunderliche[n] Mischung aus semitistischem Grundwissen […] verquickt mit weitschweifenden Phantasien“[10]

und der Ansicht, dass es eher hinderlich ist, wenn derjenige, der sich mit dem Koran und seiner Sprache befasst, Kenntnisse der klassisch-arabischen Grammatik besitzt[11], erscheint es mir vermessen, das Arabische als Sprache des Koran abzulehnen und auf eine syro-aramäische Lesart als der Richtigen zu bestehen. Luxenbergs Theorie, dass einzelne Wörter des Korantextes scheinbar nicht in den größeren Zusammenhang passen, weil sie eben arabisch und nicht aramäisch gelesen werden[12], erscheint mir ebenfalls zurechtgelegt. Schließlich haben frühere Untersuchungen ergeben, dass durch die besondere Sprachform des Koran, die Reimprosa, ein Endreim festgelegt ist und es dadurch bei Satzbau und Wortwahl zu Abweichungen von der üblichen Grammatik kommt.[13] Dies ist schließlich bei allen Reimformen in jeder Sprache festzustellen. Ohligs Überzeugung von seiner eigenen Überlegenheit aufgrund seiner Unkenntnis der arabischen Sprache, wirkt auf mich unprofessionell und zurechtgelegt. Als weiteres unprofessionelles Merkmal seiner Arbeit erscheint mir die fehlerhafte Nutzung der Umschrift. Auch wenn er des Arabischen nicht mächtig ist, sollte in wissenschaftlichen Aufsätzen und Werken meines Erachtens nach darauf geachtet werden, arabische Wörter und Namen korrekt wiederzugeben. Schließlich findet sich die Umschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG) sogar in Wikipedia-Artikeln. Für seinen Artikel Zur Entstehung und Frühgeschichte des Islam scheint diese kurze Recherche allerdings zu aufwendig gewesen zu sein. Ohlig verwendet zwar eine Art Umschrift und nicht die eingedeutschten Namensvarianten, doch ist nicht klar, woher er diese Umschrift bezieht. Korrekt ist sie meines Erachtens nach jedenfalls nicht.

Neue Erkenntnisse oder Ansätze für die Forschung in Bezug auf Koran, Koransprache und frühislamische Geschichte mögen in den Werken Wansbroughs und Vertretern seiner Schule zu finden sein. In den Arbeiten Luxenbergs und Ohlig kann ich solche Erkenntnisse und Ansätze nicht erkennen. Meiner Meinung nach ist es Luxenberg und Ohlig gelungen, mit ihren Thesen über Koransprache, Koranentstehung und Muḥammad in die Schlagzeilen auch außerhalb der Wissenschaft zu kommen. Dieser zweifelhafte Erfolg war Lüling, Wansbrough und den anderen Wissenschaftler, auf deren Arbeiten Luxenberg und Ohlig offensichtlich aufbauen, nicht vergönnt.

Ich erachte die Thesen Luxenbergs und Ohligs weder für fundiert noch für seriös. Der katholische Theologe Ohlig stellt das Christentum über den Islam, indem er aus einer eigenständigen Religion eine bloße christliche Sekte macht. Was absurd ist, denn bedenkt man der Tatsache, dass beispielsweise die Darstellungen der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind in frappierender Weise den Statuen der altägyptischen Göttin Isis mit ihrem Sohn Horus ähneln, so kommt doch niemand auf die Idee, das Christentum als altägyptische, heidnische Religion zu bezeichnen. Es ist meiner Ansicht nach schlicht normal, dass Riten, Darstellungen und Traditionen aus dem natürlichen Umfeld in eine entstehende Religion aufgenommen werden. So eben auch angeblich christliche Darstellungen auf islamischen Münzen. Doch drängt sich mir, ähnlich wie Tilman Nagel, der Verdacht auf, dass es Ohlig nicht um die Erforschung der frühislamischen Geschichte, sondern um einen innerkatholischen Konflikt geht. Er lehnt die Trinitätslehre ab und sucht nach Berichten über ein antitrinitarisches Christentum, das seinen Vorstellungen von Jesus als ‚Knecht Gottes‘ und nicht als ‚Sohn Gottes‘ folgt. Weshalb er dafür die islamische Geschichte umkonstruiert, erschließt sich mir nur undeutlich.

Es leuchtet jedoch ein, dass Thesen, in denen die islamische Religion und ihr Prophet als christliche Sekte und historische Lüge und der Koran als komplett fehlinterpretiert dargestellt werden, in Zeiten von 9/11, Islamophobie, Kopftuch-Streit und ständiger Terrorangst den allgemeinen Medien Themen liefern, die für Interesse in der breiten Masse sorgen. Der Reiz von Verschwörungstheorien geht offensichtlich nie verloren.

[1] Siehe unter anderem: Lau, a.a.O.

[2] Neuwirth, 2007a, a.a.O., S. 130f.

[3] Sinai, a.a.O., S. 29f.

[4] Sinai, a.a.O., S. 30.

[5] de Blois, a.a.O., S. 618f.

[6] Sinai, a.a.O., S. 26.

[7] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 93f.

[8] Luxenberg, 2007, a.a.O., S. 34.

[9] Ohlig, 2007c, a.a.O., S. 8.

[10] Nagel, Tilman: Befreit den Propheten aus seiner religiösen Umklammerung! URL: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/islamwissenschaft-befreit-den-propheten-aus-seiner-religioesen-umklammerung-1464313.html (Stand 15. Juli 2013).

[11] Luxenberg, 2000, a.o.O., S. 118.

[12] Luxenberg, 2000, a.o.O., S.83.

[13] Nagel, 1998, a.a.O., S. 16.

Die Sprache des Koran – Der Wandel in der westlichen Koranforschung und die Luxenberg-Debatte (I)

„Der Koran gehört nicht zu den Büchern, die sich einem Leser leicht erschließen. Das gilt ganz unabhängig davon, ob dieser Leser Muslim ist oder nicht.“[1]

In erster Linie hängt diese Tatsache mit der Sprache des Koran zusammen. Dabei handelt es sich nach allgemeiner Meinung gläubiger Muslime[2], islamischer Gelehrter wie Muḥammad ʿAbduh und namhafter Wissenschaftler wie Tilman Nagel, Annemarie Schimmel[3], Hartmut Bobzin[4], Heinz Halm[5], und vielen weiteren um

„[…] das Hocharabische, die lingua franca des damaligen Arabien. Es weicht nur in einigen grammatischen und stilistischen Eigentümlichkeiten, die man gemeinhin als Einsprengsel der hedschasischen Heimatmundart Muḥammads deutet, von diesem Idiom ab.“[6]

Für Muḥammad ʿAbduh[7] ist der Koran lediglich für diejenigen verständlich, die das reine Arabisch beherrschen.[8] Dem entgegen steht die Auffassung Christoph Luxenbergs. Er vertritt in seiner Studie Die syro-aramäische Lesart des Koran – Ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache die These, dass die Araber zur Zeit der Entstehung des Koran das Syro-Aramäische als Schrift- und Kultursprache nutzten.[9] Hinter dem Pseudonym Christoph Luxenberg versteckt sich ein Koranforscher aus dem Umfeld der Saarbrücker Wissenschaftler Karl-Heinz Ohlig und Gerd-Rüdiger Puin. Der katholische Theologe und Religionswissenschaftler Ohlig stellt die historische Existenz des Propheten Muḥammads in Frage und fasst den Begriff muḥammad als Hoheitstitel für Jesus auf.[10] Ohlig schließt sich in der Frage der Koransprache in vielem Luxenberg an, der im Vorwort seiner Studie sagt, dass die Araber zur Zeit der Entstehung des Koran zum Großteil Christen waren und dadurch nichts näher liegt,

„als daß diese naturgemäß Elemente ihrer syro-aramäischen Kult- und Kultursprache ins Arabische eingebracht haben. Aufzuzeigen, in welchem Umfang dies im Koran der Fall ist, hat sich diese Studie zur Aufgabe gemacht. Die darin vorgestellten Proben mögen exemplarisch zu einer über das Syro-Aramäische teilweise erzielbaren Entschlüsselung der Koransprache dienen.“[11]

Fundierte Kenntnisse des klassischen Arabisch und seiner Grammatik, wie sie beispielsweise ʿAbduh zum vollen Verständnis des Koran fordert,[12] betrachtet Luxenberg jedoch

„eher als hinderlich, während die Beachtung der syro-aramäischen Grammatik unter Umständen zur Erkenntnis bisher ungeahnter Aspekte der Koransprache verhilft.“[13]

Luxenbergs Studie über den Koran stellt sich in eine langen Tradition der westlichen Koranforschung, die sich auf verschiedene Art und Weise und bei ändernden Methoden mit dem Koran als Text und mit seiner Sprache beschäftigt hat. Schon früh haben sich christliche Geistliche mit dem Islam und seinem heiligen Buch beschäftigt. Zu Beginn geschah dies vor allem in Regionen, wo sich Christentum und Islam ‚trafen‘. Diese frühe Beschäftigung mit dem Koran, wie sie zum Beispiel Johannes von Damaskus[14] im 8. Jahrhundert betrieb, hatte jedoch vorrangig den Zweck, die noch vergleichsweise junge Religion zu kritisieren.[15]

Bis in die heutige Zeit hinein gibt es einen steten Wandel in der Herangehensweise an den Koran.

In den kommenden Beiträgen soll dieser Wandel dargestellt und die Frage bearbeitet werden, ob mit aktuellen Methoden und Thesen, wie denen von Luxenberg und Ohlig, ein Fortschritt in der Koranforschung erreicht werden kann. Die Literaturangaben sind dabei fortlaufend (wobei die Fußnoten bei jedem Beitrag bei [1] beginnen). Wenn nicht anders angegeben, so handelt es sich bei den wiedergegebenen Suren um die Übersetzung von Rudi Paret.

In den Beiträgen folgt nach einer Darstellung der Sprache, Redaktion und äußeren Form des Koran, wie sie die islamische Überlieferung wiedergibt und der auch ein Großteil nichtmuslimischer Wissenschaftler folgt, die Geschichte der westlichen Koranforschung, beginnend mit der bloßen Beschäftigung mit der als Konkurrenz zum Christentum empfundenen Religion[16] hin zu den neuen beziehungsweise weiterentwickelten Forschungsansätzen des 20. Jahrhunderts. Hierbei wird auf die Ansätze und Arbeiten von Abraham Geiger, Gustav Weil, Ignaz Goldziher und Theodor Nöldeke und den Einfluss der Wissenschaft vom Judentum eingegangen. Es folgt ein Kapitel über die Anfänge der revisionistischen[17] Koranforschung mit Günther Lüling als erstem Vertreter dieser Richtung und der Behandlung der 1977 erschienenen revisionistischen Arbeiten von John Wansbrough (Quranic Studies – Sources and Methods of Scriptural Interpretation) sowie Patricia Crone und Michael Cook (Hagarism – The Making of the Islamic World). Nach der eher weniger beachteten Studie Lülings Über den Ur-Qurʾan – Ansätze zur Rekonstruktion vorislamischer christlicher Strophenlieder im Qurʾan, erlangt John Wansbrough große Aufmerksamkeit mit seinem Werk Quranic Studies und der These, dass der Koran, wie wir ihn heute kennen, entgegen der Überlieferung erst im 8. oder 9. Jahrhundert entstanden ist. Dies auch nicht etwa in Mekka, Medina oder allgemein der Arabischen Halbinsel, sondern in Mesopotamien.[18] Diese These, deren Einfluss auf die Koranforschung der letzten dreißig Jahre nicht zu unterschätzen ist, zieht bis heute einen Graben innerhalb der westlichen Koranwissenschaft und teilt diese in verschiedene Lager.[19] Die revisionistischen Arbeiten Lülings, Wansbrough, Crones und Cooks können zu Recht als Grundlage für die Thesen Luxenbergs, Ohligs und anderer Koran- und Frühislamforscher des 21. Jahrhundert betrachtet werden.

Auf die Forscher und Forschungsergebnisse des 21. Jahrhundert wird im Anschluss eingegangen. Es folgt eine ausführliche Beschäftigung mit den Thesen und Arbeitsweisen nicht nur Luxenbergs mit seiner Studie Die syro-aramäische Lesart des Koran, sondern auch Ohligs, der nicht nur, wie bereits erwähnt, die Existenz des Propheten Muḥammad anzweifelt.[20] Er verlegt die Entstehung des Islam, ähnlich wie Crone und Cook,[21] von der Arabischen Halbinsel und Mekka in andere Regionen.[22] Die ausführliche Beschäftigung mit den Thesen Luxenbergs und Ohligs rührt von der großen medialen Aufmerksamkeit her, die der Studie Luxenbergs bei ihrer Veröffentlichung im Jahr 2000 und bis heute widerfährt. Auch in der Nicht-Fachpresse wird die Studie in den letzten Jahren immer wieder erwähnt.

[1] Bobzin, Hartmut: Der Koran – eine Einführung, München, Verlag C.H. Beck, 1999. S. 9.

[2] Schimmel, Annemarie: Die Religion des Islam, Stuttgart, Philipp Reclam jun., 11. Auflage, 2010. S. 30.

[3] Schimmel, a.a.O., S. 30 – 33.

[4] Bobzin, a.a.O., S. 87.

[5] Halm, Heinz: Der Islam – Geschichte und Gegenwart, München, Verlag C.H. Beck, 5., akt. Auflage, 2004. S. 13. Halm bezieht sich hier u.a. auf die ersten Verse der Sure 12 (Josefs-Sure), in dem es heißt: Dies sind die Zeichen der deutlichen Schrift. Wir haben sie als einen arabischen Koran hinabgesandt.

[6] Nagel, Tilman: Der Koran – Einführung-Texte-Erläuterungen, München, Verlag C.H. Beck, 3. Auflage, 1998. S. 15.

[7] Gest. 1905. Ägyptischer Reformer und Mufti, der für die Vereinbarkeit der islamischen Religion mit den technisch-wissenschaftlichen Neuerungen eintrat. (Schölch, Alexander: Der arabische Osten im neunzehnten Jahrhundert, in: Haarmann, Ulrich und Heinz Halm (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt, München, Verlag C.H. Beck, 4., überarbeitete und erweiterte Auflage, 2001. S. 390.)

[8] Nagel, Tilman: Der Koran – Einführung-Texte-Erläuterungen, München, Verlag C.H. Beck, 1983. S. 8.

[9] Luxenberg, Christoph: Die syro-aramäische Lesart des Koran – Ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache, Berlin, Verlag Hans Schiler, 4. Auflage, 2011. S. 10.

[10] Ohlig, Karl-Heinz: Vom muhammad Jesus zum Propheten der Araber – Die Historisierung eines christologischen Prädikats, in: Ohlig, Karl-Heinz (Hrsg.): Der frühe Islam – Eine historisch-kritische Rekonstruktion anhand zeitgenössischer Quellen, Berlin, Verlag Hans Schiler, 1. Auflage, 2007a. S. 329.

[11] Luxenberg, 2011, a.a.O., S. 11.

[12] Nagel, 1983, a.a.O., S. 8.

[13] Luxenberg, 2011, a.a.O., S. 151.

[14] Gest. 754. Theologe und Kirchenvater.

[15] Rippin, Andrew: Western Scholarship and the Qurʾān, in: McAuliffe, Jane Dammen (Hrsg.): The Cambridge Companion to the Qurʾān, New York, Cambridge University Press, 2006. S. 237.

[16] Bobzin, a.a.O., S. 15.

[17] Im Bezug auf den Ausdruck ‚Revisionismus‘ schließe ich mich Nicolai Sinai an. Er weist in seinem Werk Fortschreibung und Auslegung – Studien zur frühen Koraninterpretation daraufhin, dass er den Begriff „als hilfreiches Etikett für die Arbeiten Wansbroughs und von ihm angeregter, im Einzelnen jedoch eigene Wege gehender Wissenschaftler […] verwendet. Die vor allem in politischen Kontexten mitschwingende pejorative Konnotation des ‚Abweichlertums‘ ist nicht intendiert.“ (Sinai, Nicolai: Fortschreibung und Auslegung – Studien zur frühen Koraninterpretation, Wiesbaden, Harrassowitz Verlag, 2009. S. 23).

[18] Neuwirth, Angelika: Der Koran als Text der Spätantike – Ein europäischer Zugang, Berlin, Verlag der Weltreligionen, 2010. S. 91.

[19] Sinai, a.a.O., S. 23.

[20] Ohlig, 2007a, a.a.O., S. 329.

[21] Neuwirth, Angelika: Zur Archäologie einer Heiligen Schrift – Überlegungen zum Koran vor seiner Kompilation, in: Burgmer, Christoph (Hrsg.): Streit um den Koran – Die Luxenberg-Debatte: Standpunkte und Hintergründe, Berlin, Verlag Hans Schiler, 3., erweiterte Auflage, 2007a. S. 131.

[22] Ohlig, Karl-Heinz: Licht ins Dunkel der Anfänge des Islam, in: Ohlig, Karl-Heinz (Hrsg.): Der frühe Islam – Eine historisch-kritische Rekonstruktion anhand zeitgenössischer Quellen, Berlin, Verlag Hans Schiler, 1. Auflage, 2007b. S. 8.

 

 

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