afkari افكاري

Ein nicht immer wissenschaftlicher Islamwissenschaftsblog

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Es könnte alles so einfach sein

Firas Alshater, in Damaskus aufgewachsener und seit zweieinhalb Jahren in Berlin lebender Filmemacher, hat sich mal kurz Deutsch beigebracht. Und weil er Filmemacher ist, macht er nun Filme. Auf Youtube. Sein Channel heißt Zukar (dt. Zucker) und auf diesem präsentiert er (auf Deutsch) seine Zuckerstückchen.

In seinem ersten Video ging er der Frage nach, wer denn eigentlich diese Deutschen sind. In einem weiteren Video für die Aktion #YouGeHa2016 (Youtuber gegen Hass) stellt Firas Alshater fest und dar, dass man wirklich alles hassen kann. Wenn man nur will. Auch Katzen. Weil die einem den Job wegnehmen. Denn „die bekommen vielmehr Klicks auf Youtube als ich“. Und wenn die Hundekumpels Brutus und Nero dann auch noch von ihren schlechten Erfahrungen mit Katzen erzählen und davon wieder nichts, aber auch gar nichts in den Medien auftaucht… Also ehrlich, „ich hab ja nichts gegen Katzen, aber…“

Da wir in Zeiten von Social Media leben und alles kommentiert, geteilt und diskutiert wird, gibt es nun eine Gegendarstellung. Von Emma. Emma lebt mit Dunya Halali zusammen, die freundlicherweise Emmas Statement für uns übersetzt (bisher wird Hundisch nur vereinzelt an Volkshochschulen angeboten und nur wenige beherrschen diese Sprache). Und zu welchem Ergebnis kommt Emma? Es ist alles eine Frage der Kommunikation. Alles gar nicht so schwer. Und respektvoll pinkeln sollte wirklich jeder beherrschen.

Aus gegebenem Anlass

Das, was Menschen tagtäglich in Aleppo, in Mossul, in Beirut erleben und deshalb fliehen, ist nun in Paris geschehen. Und schon werden Rufe laut, die europäischen Grenzen endlich dicht zu machen, keine Fremden mehr ins Land zu lassen, denn die waren das doch, diese Muslime und Salafisten und Islamisten, die nach Europa kommen und hier unbedingt die gleichen Kriegszustände haben möchten, die in ihren Heimatländern vorherrschen… Merkt ihr nicht, wie absurd das ist? Menschen fliehen vor Anschlägen, vor Krieg, vor täglicher Gewalt. Und genau diese Menschen sollen schuld sein, daran, dass europäische Länder potentielle Angriffsziele von erratischen, psychopathischen Terroristen sind?
Diese Rechnung geht nicht auf. Das Traurige, das Tragische ist nicht nur, dass Menschen ihr Leben lassen mussten, es ist die Tatsache, dass schon jetzt, wenige Stunden nach ihrem Tod, dieser instrumentalisiert wird. Von denen, die unter Deutschen bleiben wollen im schönen Deutschland. Die nichts abgeben wollen, von ihrem Wohlstand. Die nichts gegen Ausländer haben, aber… Die Hausanzünder. Die Schwangerezusammenschläger. Die AfD. Die Pegida-Anhänger. Die „Das wird man wohl noch sagen dürfen“-Sager. Die Rechten. Die Nazis.

Und dann bin ich plötzlich wieder dreizehn

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2001 im Tal der Könige

Vor einigen Wochen bin ich über eine Nachricht gestolpert, die mich durch’s Büro hüpfen und vor Aufregung kaum anständige Sätze formulieren ließ.

Der britische Ägyptologe Nicolas Reeves hat ein bisher unentdecktes Pharaonengrab im Tal der Könige in Ägypten gefunden. Vielleicht.

Definitiv fand er Hinweise darauf, dass sich hinter dem Grab von Tutanchamum ein weiteres Grab befindet. Oder um genauer zu sein: das Grab von Tutanchamun ist gar kein Grab, sondern ursprünglich nur die Vorkammer eines Grabes.  Und wo eine Vorkammer ist, da ist in der Regel auch eine Hinterkammer… oder so. Jedenfalls kommen nach einer Vorkammer in der Regel weitere Räume. Wenn Reeves‘ These stimmt, dann besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich hinter der ursprünglich als Vorkammer gedachten Grabkammer des Tutanchamun ein vollständig erhaltenes Grab befindet. Und dieses Grab könnte einer der schillernsten Persönlichkeiten des Alten Ägyptens gehören: Nofrete.

Nofrete, die Gemahlin jenes Pharaos, der die alte Ordnung in Ägypten abschaffte, die Vielzahl der Götter durch einen einzigen ersetzte, seinen Namen änderte und eine neue Hauptstadt gründete. Echnaton, der als Amenophis IV. den Thron bestieg, verlegte die Hauptstadt seines Reiches von Theben nach Achetaton. Dort widmete er sich seiner neuen Religion, die die Anbetung des Aton in Form der Sonnenscheibe in den Mittelpunkt stellte. Das ging ein paar Jahre mehr oder weniger gut. Zum Ende seiner Regierungszeit hin wurde Ägypten jedoch vermehrt von außen bedroht und die ägyptische Bevölkerung selbst und vor allem die Priester der alten Götter waren mit den Änderungen durch Echnaton wenig einverstanden. Dies hatte sicherlich auch damit zu tun, dass es laut Echnaton nur möglich war über ihn selbst zum Gott zu beten. Wollte man Aton also um etwas bitten, ging das nur über die Anbetung Echnatons. Ein bisschen dehnte sich das auch auf seine Familie, vor allem seine Gemahlin Nofrete und die gemeinsamen Töchter aus.

Jedenfalls, gegen Ende seiner Zeit… alles eher unruhig.

Und das ist auch der Grund, warum ich hüpfe, in die Hände klatsche und wieder Ägyptologin werden möchte. Wie damals. Mit dreizehn.

In Chatnachrichtform hat sich das vor ein paar Wochen dann so angehört:

Das ist so aufregend. Ich fühl mich wieder wie dreizehn und möchte sofort Ägyptologin sein. Da besteht die Chance, ein unversehrtes Grab zu finden und endlich Hinweise darauf, ob tatsächlich Nofrete = Semenchkare ist. Bisher ist man immer davon ausgegangen, dass Semenchkare ein Bruder oder Sohn von Echnaton war und ihm auf dem Thron gefolgt ist. Nofrete ist wenige Jahre vor dem Tod Echnatons „verschwunden“, wurde nicht mehr erwähnt. Zeitgleich ist Semenchkare aufgetaucht. Wenn beide ein und dieselbe Person sind (die Theorie gibt’s seit ein paar Jahren) und das jetzt bewiesen werden kann, dann ist das der absolute Wahnsinn. Auch, weil dann klar ist, dass nicht nur Hatschepsut in der 18. Dynastie und einige ptolemäische Herrscherinnen nach Alexander dem Großen als alleinige Herrscher regiert haben, sondern das da noch eine weitere Pharaonin war. Die auch mit dem vollen Zeremoniel eines Pharaos bestattet wurde. Was bedeutet, dass sie wirklich als Pharaoh angesehen wurde und nicht nur als Große Königliche Gemahlin.

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2001 in Karnak

Ich möchte immer noch hüpfen, ich bin immer noch aufgeregt und werde es in den kommenden Jahren vermutlich immer wieder sein. Denn bis wirklich klar ist, was sich hinter dem Grab von Tutanchamun befindet und falls da etwas ist, das auch wirklich Nofretes Grab ist, werden noch ein paar Jahre vergehen. In denen ich mich immer wieder freuen werde, in die Hände klatsche, meine Familie begeistert mit Textnachrichten und Vorträgen bombadiere und mich wieder wie das Teenagermädchen fühle, das Ägyptolgin werden möchte und noch nicht ahnt, dass aus Ägyptologin ein paar Jahre später Islamwissenschaftlerin wird.

Und wer das ganze etwas nüchterner betrachtet lesen möchte: hier der Artikel.

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