afkari افكاري

Ein nicht immer wissenschaftlicher Islamwissenschaftsblog

#NichtMitUns – nach dem Friedensmarsch

Nach dem Friedensmarsch ist vor der Häme, der Kritik. Das wurde gestern sehr schnell deutlich. Die Sozialen Netzwerke waren voll von Kommentaren. Bereits am Nachmittag war die überwiegende Schlagzeile „Nur wenig Beteiligung am Friedensmarsch“ oder so ähnlich. Und darauf stürzten und stürzen sich mit Freude die Trolle aus allen Lagern. Dass die ersten Meldungen von Medien kamen, die nur zu Beginn berichteten und nicht mitbekamen, wie die Menge beim Friedensmarsch durch die Kölner Innenstadt stetig gewachsen ist… Die Medien haben später von den 3000 Teilnehmern berichtet, aber die Kommentatoren in den Netzwerken? „Ist doch alles Propaganda.“ „Das ist doch vom Staat gesteuert. Alles Lügen.“ „Muslime sind eben doch nicht gegen Terror.“.

Mitglieder der AfD haben den Friedensmarsch begleitet. Habt ihr nicht gesehen, wie fröhlich und aufrichtig die Menschen für Frieden eingestanden sind? Wie sich Gäste einer Kölschkneipe auf der Terrasse versammelt, dem Demonstrationszug applaudiert und das Lied „Stammbuch“ von Black Fööss gesungen haben? „Ich ben Grieche, Türke, Jude, Moslem un Buddhist, mir all, mir sin nur Minsche, vür’m Herjott simmer glich.“ Oder andere Kleinigkeiten, wie die Demonstrationsteilnehmer sich gegenseitig beim Tragen der Plakate und Banner abgewechselt haben. Wie zusammen gegen Terror und für Frieden skandiert wurde. Das war ganz viel Gänsehaut, das war ganz viel Liebe, das war einfach schön. Spätestens, allerspätestens bei der Ansprache des 20-jährigen Basel, der aus Wuppertal angereist und vor zwei Jahren aus Syrien geflohen ist, hätte doch auch euch AfD-Mitgliedern klar sein müssen, dass Muslime die Daesh-Terroristen nicht in ihrer Mitte sehen, sie nicht als Muslime akzeptieren. Dass die vielen Menschen, die in den letzten Jahren nach Europa geflohen sind, vor eben diesen Terroristen fliehen.

Ich habe nach wie vor das Gefühl bei etwas sehr Wichtigem beteiligt gewesen zu sein. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass Lamya Kaddor und Tarek Mohamad etwas Schönes und Wegweisendes auf die Beine gestellt haben. Ich möchte nach wie vor daran glauben, dass das „Wir“ und „Ihr“ überwunden werden wird. Aber heute, noch mehr als gestern Abend, machen mich diese Kommentare bei Facebook, Twitter und Co traurig. Es könnte doch alles so schön sein.

Beim Kölner Friedensmarsch gab es zu Beginn nicht so viele Teilnehmer wie erwartet. Aber Berlin, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt machen weiter. Köln war vielleicht ein kleiner Anfang von etwas viel Größerem.

1 Kommentar

  1. veit-ulrich hoffmann

    19. Juni 2017 at 9:35

    nicht aufhören. nicht nachlassen. sich beispiele nehmen. an euch. danke dafür, liebe Julia und alle anderen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: