afkari افكاري

Ein nicht immer wissenschaftlicher Islamwissenschaftsblog

Die Sprache des Koran – Der Wandel in der westlichen Koranforschung und die Luxenberg-Debatte (III)

III. Mündliche Überlieferung und Redaktion des Koran

Der Koran wurde der islamischen Überlieferung zufolge nicht als Buch oder generell in schriftlicher Form dem Propheten geoffenbart. Muḥammad gilt auch nicht als Autor einer Heiligen Schrift.[1]

Zu Lebzeiten Muḥammads ist Analphabetismus in der Bevölkerung nicht ungewöhnlich. So wird überliefert, dass der Prophet selbst weder des Lesens noch des Schreibens mächtig war. Auch Dichter, Erzähler und Wahrsager verlassen sich hauptsächlich auf ihr Gedächtnis und ihre Kunst, Gedichte und Geschichten auswendig aufzusagen, und weniger auf ihre Schreib- und Lesekünste.[2] Auch halten die Gelehrten bis weit in die islamische Zeit hinein die mündliche Überlieferung mit isnād[3] für verlässlicher als schriftliche Quellen. Der isnād umfasst Personen, die eine bestimmte Nachricht mündlich von Generation zu Generation weitergeben und dabei stets die Namen ihrer Quellen, also der Gewährsmänner und –frauen, weitergeben.[4] Auch unter Gelehrten, die sich in den ersten Jahrhunderten des Islam mit der Sunna[5] befassen, gilt die mündliche Überlieferung mit einem verlässlichen isnād als bessere Quelle denn schriftliche Belege.[6]

Der Koran ist also nicht als fertiger Text in Buchform oder in Teilen eines Buches geoffenbart worden. Vielmehr ist der Koran

„die im mündlichen Vortrag zu vergegenwärtigende Rede des Schöpfers.“[7]

Die Urschrift dieses Rezitationstextes befindet sich seit ewigen Zeiten auf einer wohlverwahrten himmlischen Tafel, arabisch lauḥ maḥfūẓ, bei Gott, der sie dem Propheten durch den Engel Gabriel mündlich überbrachte.[8]

Dies kommt auch im Koran zum Ausdruck. So heißt es in

Sure 85, Vers 21 – 22[9]: 21 Nein! Es ist ein preiswürdiger Koran (was hier verkündet wird), 22 (im Original droben im Himmel?) auf einer wohlverwahrten Tafel.

Durch Rezitation soll dieses noch vor der Erschaffung der Welt bestehende Wort Gottes den Menschen im Gedächtnis bleiben.[10]

Vor der Redaktion des Koran durch ʿUṯmān gilt der Koran weniger als Buch, das studiert wird, sondern eben vielmehr als Rezitationstext. Rhythmus und Assonanz des Textes lassen darauf schließen, dass der Text angehört und weniger gelesen werden soll.[11] Dabei hat die Tradition mündlicher Überlieferung noch bei der 1925 erschienenen Druckausgabe des Kairiner Koran[12] eine Rolle gespielt.[13] Diese Tradition nennt Angelika Neuwirth als Argument gegen aktuelle Tendenzen in den Medien und manchen islampolemischen Veröffentlichungen, die die Echtheit des überlieferten Koran in Frage stellen. Darin wird auch immer wieder auf

„unveröffentlichte Handschriften, die vermeintlich revolutionär neue Textformen des Koran bergen“[14]

angespielt.[15]

Der Koran als Heilige Schrift in Buchform, wie er heute bekannt und weltweit verbreitet ist, besteht aus 114 Kapiteln, den sogenannten Suren, arabisch sūra Pl. suwar.[16] Es wird zwischen mekkanischen und medinensischen Suren[17] unterschieden. Je nachdem, ob sie Muḥammad in Mekka oder nach der Hiǧra 622 n.Chr. in Medina offenbart wurden.[18] Die Suren sind in ihrer Länge sehr unterschiedlich, ebenso die in einer Sure enthaltenen Verse, arabisch āya Pl. āyāt, was wörtlich übersetzt ‚Zeichen‘[19] bedeutet. Am Anfang des Koran stehen die langen Suren, die kurzen am Ende.[20] Die Länge einer Sure wird jedoch nicht nach der Anzahl der in ihr enthaltenen Verse bemessen, sondern nach Zeilen.[21] Somit ist die Sure 108 mit dem Titel Die Fülle, arabisch al-kauṯar, und drei Versen innerhalb von anderthalb Zeilen die kürzeste des Koran. Sure 2, Die Kuh, arabisch al-baqara, hingegen ist mit 286 Versen verteilt auf ungefähr 615 Zeilen die längste.[22] Insgesamt besteht der Koran aus circa 6.200 Versen, wobei die Anzahl je nach Lesart schwanken kann. Dies liegt nicht an unterschiedlichen Texten, sondern an einer unterschiedlichen Verstrennung.[23]

Diese Einteilung in Suren mit eigenen Namen und die Festlegung auf eine bestimmte Reihenfolge sowie die Verszählung fällt jedoch nicht mehr in die Zeit Muḥammads selbst. Laut Daniel Madigan und Angelika Neuwirth gibt es auch keinerlei Anzeichen dafür, dass Muḥammad beabsichtigte, aus den ihm vermittelten Texten ein Buch nach dem Vorbild der jüdischen und christlichen Heiligen Schriften zu kreieren. Im Gegenteil: Muḥammad ist zwar umgeben von Einflüssen und Vertretern der ahl al-kitāb[24], doch seine Rezitationstexte sollen eben nicht in Buchform, sondern mündlich überbracht werden.[25] Niederschriften von Koranversen oder auch ganzen Suren kommen jedoch schon zu Zeiten Muḥammads vor. Struktur und Länge von mittel- und spätmekkanischen Versen lassen darauf schließen, dass es schon zu dieser frühen Zeit zu einer schriftlichen Niederlegung einzelner Verse kommt, um ihre unversehrte Bewahrung zu gewährleisten.[26] Auch wird heute davon ausgegangen, dass die Analphabetenrate unter den Zeitgenossen des Propheten nicht so hoch war wie lange angenommen und dass

„Teile des Koran von zahlreichen Privatpersonen zum liturgischen Gebrauch, in Medina auch größere Surengruppen von offiziellen Koranrezitatoren memoriert worden sind.“[27]

Diese schriftliche Niederlegung ist jedoch als eine Stütze der mündlichen Tradition anzusehen.[28]

Es ist also anzunehmen, dass zum Zeitpunkt von Muḥammads Tod Teile des Koran in schriftlicher Form existieren, die auch mit dem Wissen des Propheten niedergeschrieben wurden. Eine festgelegte Reihenfolge der Suren zu dieser Zeit ist jedoch fraglich.[29]

Erste Versuche einer endgültigen Fixierung der Rezitationstexte in schriftlicher Form setzen aber schon bald nach Muḥammads Tod im Jahr 632 ein.[30] Zu diesem Zeitpunkt gibt es unter den Muslimen viele Korankenner. Doch während der Regierung des ersten Kalifen Abū Bakr[31] kommt es unter den arabischen Stämmen zu einer Häufung von Apostasie, arabisch ridda, und in deren Folge zu Kämpfen zwischen Muslimen und Abtrünnigen. Die islamische Geschichtsschreibung geht davon aus, dass bei diesen Kämpfen zahlreiche Korankenner ums Leben kommen. Abū Bakr quält deshalb die Sorge, die Kenntnis der Offenbarung könnte verloren gehen und er wendet sich laut dem Überlieferer az-Zuhrī[32] an Muḥammads Sekretär Zaid b. Ṯābit, der Teile der Offenbarungen bereits niedergeschrieben haben soll, und bittet um eine vollständige Verschriftlichung des Korantextes.[33] Mit Hilfe anderer Prophetengefährten, die Teile des Koran auswendig kennen, und schriftlich festgehaltener Fragmente beginnt Ibn Ṯābit mit der Niederschrift.[34] Diese Arbeit führt er auch noch unter dem zweiten Kalifen ʿUmar[35] fort.[36] Dass Ibn Ṯābit sich bei dieser Arbeit mehr auf die von Prophetengefährten auswendig gelernten Fragmente des Koran als auf Niederschriften verlässt, rührt wie bereits oben erwähnt von der Überzeugung her, dass mündlich mit zuverlässigem isnād Überliefertes vertrauenswürdiger ist als schriftliche Quellen.[37] Das Werk des Zaid b. Ṯābit soll laut islamischer Geschichtsschreibung von Abū Bakr an seinen Nachfolger ʿUmar vermacht worden sein. Dieser wiederum gibt es bei seinem Tod an seine Tochter und Prophetenwitwe Ḥafṣa weiter.[38]

Unter ʿUmar beginnt die Ausweitung des Gebiets der islamischen Gemeinde, arabisch umma, und die weitere Verbreitung des Islam. Innerhalb weniger Jahre wird der gesamte Fruchtbare Halbmond erobert. Allein im Jahr 636 fällt außer Syrien auch das zum Perserreich gehörende Mesopotamien an die Araber. Die am Tigris gelegene Hauptstadt Ktesiphon wird eingenommen. Es folgen siegreiche Schlachten im iranischen Hochland bei Nihāvand und in Ägypten, wo der byzantinische Statthalter Alexandria 642 schließlich räumt.[39] Die Eroberungen, die bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts andauern,[40] sorgen für eine Dezentralisierung. Die Geschicke des Reiches werden nicht mehr allein von Medina aus gelenkt. Am Rand der Arabischen Halbinsel entstehen mehr und mehr Heerlagerstädte, von denen aus unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen, unter dem islamischen Banner geeint, in neue Gebiete vordringen und erobern. So gewinnen die mesopotamischen Städte Basra und Kufa, das syrische Damaskus und Homs sowie etwas später Fustat in Ägypten schnell an Bedeutung und werden zu Residenzstädten für die Statthalter der medinensischen Kalifen. Obwohl die Statthalter den Kalifen formal unterstellt und verpflichtet sind, Bericht zu erstatten, lässt es sich nicht vermeiden, dass die Städte und ihre Statthalter immer mehr an politischem Gewicht gewinnen. Schon der vierte Kalif ʿAlī[41] verlegt seine Residenz nach Kufa, da sich dort seine Unterstützer sammeln. Auf die ist er angewiesen, um sich gegen Muʿāwiya[42] in Damaskus zu behaupten,[43] der ebenfalls Anspruch auf den Kalifentitel erhebt, diesen kriegerisch verteidigt und schließlich die Dynastie der Umayyaden in Damaskus etabliert. Das Amt des Kalifen macht er erblich. Damaskus ernennt er zur Hauptstadt des Reiches.[44] Die enorme Ausdehnung des islamischen Reiches führt bald dazu, dass verschiedene Koranrezensionen in Gebrauch sind. Diese weichen in Einzelheiten voneinander ab, was zu Unstimmigkeiten unter den Gläubigen führt.[45] Dabei erlangen vor allem drei Sammlungen koranischer Texte von Prophetengefährten in den neuen städtischen Zentren an Bedeutung. So lässt sich der Prophetengefährte ʿAbdallāh b. Masʿūd zu Beginn der Eroberungszüge in Kufa nieder. Seine Version findet vor allem unter den Anhängern ʿAlīs, Schwiegersohn des Propheten und vierter Kalif, großen Anklang. Aus den Anhängern ʿAlīs wird sich später die Schia bilden.[46] In Basra wiederum setzt sich die Version des Abū Mūsā al-Ašʿarī duch und in Damaskus die eines weiteren Sekretär des Propheten, Ubaiy b. Kaʿb.[47] Der Prophet Muḥammad selbst soll Ubaiy b. Kaʿb und ʿAbdallāh b. Masʿūd damit ausgezeichnet haben, dass er sie außer zwei anderen als die besten Korankenner und fähig, den Islam unter anderen zu verbreiten, bezeichnet.[48] Muḥammad soll zu seiner Gemeinde gesagt haben:

„Erlernet den Koran von vieren: von Ibn Masʿūd, von Sālim, maulā des Abū Ḥuḏejfa, von Ubejj b. Kaʿb und von Muʿāḏ b. Dschebel.“[49]

Laut Geschichtsschreibung kommt es schließlich während des Feldzugs gegen Armenien um das Jahr 652 zu einem Streit zwischen syrischen und irakischen Truppen innerhalb des muslimischen Heeres. Streitpunkt ist die Textgestalt des Koran, was darauf schließen lässt, dass es bereits zu diesem Zeitpunkt Unterschiede zwischen den existierenden Versionen des Koran gibt. Dies veranlasst den dritten Kalifen ʿUṯmān dazu, sich um eine einheitliche Redaktion, einen einheitlichen Kodex, arabisch muṣḥaf, zu bemühen.[50] ʿUṯmān gründet ein Gremium, dem auch Zaid b. Ṯābit angehört. Dieses Gremium befasst sich auch mit den bereits von Ibn Ṯābit niedergeschriebenen Korantexten, die sich im Besitz der Kalifentochter Ḥafṣa befinden.[51] Die Mitglieder des Gremiums verfassen Abschriften von dem von ihnen festgesetzten Korantext und schicken diese dann von Medina aus in die islamischen Zentren Mekka, Damaskus, Kufa und Basra, mit der Anweisung, andere Handschriften zu vernichten.[52] Für Christoph Luxenberg stellt der Bericht über den bei Ḥafṣa verwahrten Grundtext die mündliche Überlieferung jedoch in Frage. Für ihn wird dadurch deutlich, dass es keine ununterbrochene Kette von Prophetengefährten gibt, wie Ibn ʿAbbās[53] einer war. Ibn ʿAbbās und andere Gefährten und Autoritäten sollen zur Fixierung des Korantextes beigetragen und auch über die Redaktion hinaus ihren Einfluss als Korankenner beibehalten haben.[54] Warum Berichte über die Notizen in Ḥafṣas Besitz der islamischen Überlieferung widersprechen und Luxenberg diese Überlieferung unter anderem deshalb in Frage stellt, wird aus dem kurzen Kapitel über die mündliche Überlieferung in Luxenbergs Studie nicht deutlich.

Doch entgegen der traditionellen Überlieferung scheint sich der Übergang von den verschiedenen zahlreichen Lesarten hin zu der einen ʿuṯmānschen Koranausgabe tatsächlich nicht schlagartig durch Vernichtung sämtlicher anderer Versionen, sondern eher allmählich vollzogen zu haben. Darauf lässt die überlieferte sofortige Anerkennung des ʿuṯmānschen Kodex durch Abū Mūsā in Basra ebenso schließen wie die ebenfalls überlieferte Opposition des Ibn Masʿūds in Kufa.[55] Ibn Masʿūd geht davon aus, dass an der Redaktion des Koran unter ʿUṯmān Beteiligte Teile der Schrift unterschlagen haben. Auch zweifelt Ibn Masʿūd die Fähigkeiten des Prophetensekretärs Ibn Ṯābit an. Ihm wird nachgesagt, er soll sich über die Jugend Ibn Ṯābits echauffiert haben, da er, Ibn Masʿūd, schon große Teile der Offenbarung aus dem Mund des Propheten vernommen hatte

„als sich Zejd noch in den Lenden eines heidnischen Mannes befand.“[56]

Bis ins 8. Jahrhundert hinein gibt es noch Gelehrte, die Korane mit vom ʿuṯmānschen Text abweichendem Inhalt zusammenstellen und dabei beispielsweise der Redaktion des Ibn Masʿūd folgen.[57]

Die schiitische Tradition wiederum weicht in ihrer Überlieferung der Redaktionsgeschichte des Koran etwas von der sunnitischen Darstellung ab. Zwar bezieht sich auch die schiitische Tradition auf den ʿuṯmānschen Text, doch ist es hier ʿAlī, der es sich bereits kurze Zeit nach dem Tode des Propheten zur Aufgabe macht, die göttlichen Offenbarungen in einem Kodex zusammenzustellen, während die anderen Prophetengefährten noch um die Nachfolge streiten. Er stellt seine Koranausgabe auch fertig, gibt diese aber schließlich zugunsten der ʿuṯmānschen Fassung auf.[58] Unter wenigen Schiiten herrscht aber noch heute die Meinung, dass ʿUṯmān zwei Suren nicht in seinen Kodex aufnehmen ließ, da diese keinen Zweifel an der Richtigkeit des schiitischen Verständnisses des Islams lassen und den Herrschaftsanspruch ʿAlīs und seiner Nachkommen untermauern. Diese Suren mit den Namen Die zwei Lichter und Die Hinwendung sind jedoch als Fälschungen enttarnt worden. Die Mehrheit der Schiiten hat sich auch nie auf diese gefälschten Suren bezogen.[59]

Schließlich soll sich dann auch Ibn Masʿūd mit dem von ʿUṯmān zusammengestellten Kodex abgefunden haben, obwohl er diesen anfangs nicht als allein gültig akzeptiert. Laut Nagel ist dies wohl ein Versuch der islamischen Geschichtsschreibung, die Unstimmigkeiten, die mit der Verbreitung des Koran nach der Redaktion des ʿUṯmān einhergingen, zu verharmlosen. Der ʿuṯmānsche Koran ist von Beginn an von allen wichtigen Männern akzeptiert worden, so die gewünschte Überlieferung. Seine Richtigkeit soll nicht in Frage gestellt werden.[60] Bereits im 8. Jahrhundert scheint sich der Koran nach ʿUṯmān größtenteils durchgesetzt zu haben und im 9. Jahrhundert bescheinigen Rechtsgelehrte den nicht-ʿuṯmānschen Texten eine kultischen Untauglichkeit.[61] Geschieht es doch, dass der nun allgemeingültige Text in seiner Richtigkeit angezweifelt oder andere Lesarten als richtig bezeichnet werden, entsteht, wie im Falle des Koranlesers Abū Bakr b. Miqsam im Jahr 934, leicht eine Staatsaffäre. Ibn Miqsam wird in Bagdad von einem Gremium verhört, weil er öffentlich Lesarten des Koran für richtig befunden hat, die nicht der ʿuṯmānschen Fassung entsprechen. Ibn Miqsam sieht im Verlauf des Verfahrens seinen Fehler ein und bereut seinen Fehltritt. Ähnlich ergeht es Aḥmad b. Šannabūḏ, der ebenfalls nicht-ʿuṯmānsche Lesarten für korrekt erklärt hat. 935 wird der Gelehrte Ibn Šannabūḏ verhaftet. An ihm wird die Prügelstrafe vollzogen, woraufhin er sich wie Ibn Miqsam reumütig zeigt und anderen Lesarten abschwört.[62] Der damalige Wesir Ibn Muqla akzeptiert die Enschuldigung Ibn Šannabūḏs und erlässt ihm weitere Bestrafung und Haft, verfügt aber, dass Ibn Šannabūd des Nachts mit Geleitschutz in sein Haus zurückkehren muss, da er einen Übergriff des aufgebrachten Pöbels auf den Gelehrten befürchtet.[63] Diese Geschichte zeigt deutlich, wie sensibel Muslime in Bezug auf eine alleingültige als korrekt angesehene Lesart zu dieser Zeit sind.

Eine Besonderheit der damaligen arabischen Schrift muss erwähnt werden, um die Schwierigkeit einer allgemeinen Lesart des Koran zu verdeutlichen. Zur Zeit der ʿuṯmānische Redaktion des Koran kennt die arabische Schrift keine Zeichen für Vokale. Lediglich Konsonanten und Diphtonge werden notiert. Auch gibt es für einige unterschiedliche Konsonanten nur ein Schriftzeichen. So werden z.B. rāʾ und zāy mit dem gleichen Zeichen ausgedrückt. Ebenso sīn und šīn.[64] Zu Beginn der Ausbreitung des Islam stellt diese Tatsache noch ein geringes Problem dar,

„da die Sprachbeherrschung des Koranlehrers als wichtigste Instanz für die Gestaltung der Textform [gilt].“[65]

Doch durch die Ausdehnung des Islam steigt der Bedarf an Rezitatoren und Koranlehrern, wodurch immer mehr das Studium des schriftlichen Textes in den Vordergrund rückt und die mündliche Überlieferung nachlässt.[66] Steht zu Beginn den Koranlehrern noch die freie Interpretation der mehrdeutigen Konsonantenzeichen sowie der Vokalisierung offen, rückt mit der Etablierung fester Koranschulen jedoch mehr der Bezug auf Texte anerkannter Gelehrter in den Vordergrund. Diese werden vermehrt exklusiv rezipiert, die Gelehrten berufen sich immer häufiger auf den isnād als Kriterium für die Tauglichkeit einer Lesart. Die freie Interpretation der Konsonantenzeichen und der Vokalisierung nehmen sie immer seltener in Anspruch.[67]

Die Mehrdeutigkeit der Konsonantenzeichen wird dann bereits im 7. Jahrhundert dadurch eingeschränkt, dass die sogenannten diakritischen Zeichen[68] verwendet werden.[69] Diese verhindern, dass ein- und dasselbe Zeichen für mehrere Konsonanten stehen kann. Auch kurze Vokale werden schließlich durch bestimmte Zeichen über oder unter den Konsonanten gekennzeichnet.[70] Dies geschieht anfangs jedoch nur bei Wörtern mit einander entgegenstehenden Aussprachemöglichkeiten. Ende des 8. Jahrhundert werden die Zeichen zur Bestimmung kurzer Vokale dann generell in den Text eingetragen. Hingegen setzt sich die Regel, lange Vokale konsequent auszuschreiben, erst im 9. Jahrhundert durch.[71]

Die textlichen Varianten, in denen sich der Koran ʿUṯmāns von anderen wie dem des Ibn Masʿūd oder des Ibn Kaʿbs unterscheidet, sind jedoch nicht so frappierend wie sich vielleicht aufgrund der obigen Darstellung der Zwistigkeiten und Sensibilitäten und der anfänglichen Mehrdeutigkeit der arabischen Schrift vermuten lässt. Unter der Voraussetzung, dass die zur Verfügung stehenden Quellen ein korrektes Bild vermitteln, so Tilman Nagel,

„hat man keinesfalls mit ins Auge springenden, möglicherweise gar das Wesen der muḥammadschen Verkündigung, wie sie uns aus ʿUṯmāns Text bekannt ist, antastenden Abweichungen zu rechnen. Vielmehr handelt es sich um orthographische und lexikalische Varianten.“[72]

Es können zwar auch unterschiedliche Verbformen vorkommen. Doch wandeln diese vielleicht den Sinn in Einzelheiten ab, der Inhalt der gesamten Sure wird jedoch nicht verändert oder in Zweifel gezogen. Das gleiche trifft auf die seltenen Fälle zu, in denen ganze Sätze ersetzt werden.[73] Nagel zeigt Unterschiede zwischen dem ʿuṯmānschen Text und dem des ʿAbdallah b. Masʿūds anhand von Sure 61.

ʿUṯmān:

Sure 61, 6: Und einst sagte Jesus, der Sohn der Maria: ‚Ihr Israeliten, ich bin der Gesandte Gottes an euch und bestätige die von mir geoffenbarte Tora und verheiße euch einen Gesandten, der nach mir kommen wird. Sein Name ist Aḥmad.‘ Als Jesus ihnen Beweise vorlegte, entgegneten sie: ‚Dies ist offenkundige Zauberei!‘

Bei ʿAbdallah b. Masʿūd heißt es hingegen im gleichen Vers:

6 […] ‚Dieser (Jesus) ist ein offenkundiger Zauberer.‘

Statt dem Verbalnomen ‚Zauberei‘ ist bei Ibn Masʿūd das Nomen agentis ‚Zauberer‘ zu finden.

ʿUṯmān:

Sure 61, 7: Wer aber ist frevelhafter als derjenige, der gegen Gott Lügen ersinnt, während er doch zum Islam aufgerufen wird?

Sure 61, 10 – 11: 10 Ihr Gläubigen, soll ich euch auf einen Handel hinweisen, der euch vor einer schmerzhaften Strafe rettet? 11 Ihr müsst an Gott und seinen Gesandten glauben und auf dem Pfad Gottes mit eurem Vermögen und eurer Person kämpfen […]

Ibn Masʿūd:

7 […] während er (Gott?) doch zum Islam aufruft?

10 Ihr Gläubigen, soll ich euch auf einen Handel hinweisen, der euch vor der Strafe des Schmerzhaften rettet? 11 Glaubt an Gott und seinen Gesandten und kämpft auf dem Pfad Gottes mit eurem Vermögen und eurem Leben. […]

In den Versen 7 und 11 finden sich also jeweils Abweichungen bei den Verbformen, wohingegen in Vers 10 statt eines Substantivs mit Attribut eine Genitivverbindung steht.

ʿUṯmān:

Sure 61, 12: Er vergibt euch unter dieser Bedingung eure Sünden und lässt euch in Gärten hinein, durch die unten Bäche strömen, und in schöne Wohnungen in den Gärten Eden. Das ist ein gewaltiger Gewinn.

Ibn Masʿūd:

12 Er vergibt euch unter dieser Bedingung eure Sünden und lässt euch in das Paradies hinein, in dem ihr reine Gattinnen haben werdet und wo ihr ewig bleibt.

Hier variiert das Wort für die Paradiesbeschreibung.[74]

Im Koran des Ibn Kaʿbs hingegen sollen sich zwei Suren finden, die im Kodex des ʿUṯmān überhaupt nicht auftauchen. Sie tragen die Namen Sure der Lossagung und Sure des Eilens.[75]

In der Wissenschaft hat sich schließlich eingebürgert, diese und andere nicht aus ʿuṯmānischen Versionen stammende Lesarten als nichtkanonisch zu bezeichnen.[76] Nach ihrem Ausschluss von der Rezitation sind die nichtkanonischen Lesarten, die auf andere Kodizes als den des ʿUṯmān zurückgehen, nur noch in außerkoranischer Literatur zu finden. Dort auf Grund ihrer Nähe zum Koran vor allem in der Korankommentarliteratur und in philologischen Werken, die sich mit dem Koran beschäftigen.[77] Den nichtkanonischen Lesarten werden die kanonischen, sprich: gültigen, gegenübergestellt. Bei den kanonischen Lesarten, arabisch qirāʾa Pl. qirāʾāt, handelt es sich um Varianten des ʿuṯmānischen Textes.[78] Da der von ʿUṯmān verbreitete und in die verschiedenen Städte gesandte Text ein reines Konsonantengerüst, arabisch rasm, ohne diakritische Zeichen darstellt, gibt es ohne Kenntnis der von ʿUṯmān und seinen Gefolgsleuten genutzten Lesart verschiedene Möglichkeiten, den Text zu lesen.[79] Tilman Nagel zeigt dies am Beispiel eines Verses von Sure 2.[80] Dort heißt es laut einiger Lesarten:

Sure 2, 106: Abrogieren wir einen Vers oder lassen wir ihn in Vergessenheit geraten, so ersetzen wir ihn durch einen besseren oder wenigstens durch einen gleich guten.

In anderen Lesarten heißt es jedoch:

Sure 2, 106: Abrogieren wir einen Vers oder schieben wir ihn auf, […]

Betrachtet man den reinen rasm des arabischen Textes ohne diakritische Zeichen, zeigt sich jedoch keinerlei Unterschied zwischen beiden Varianten.[81] Manche Stellen lassen sich also ohne die diakritischen Zeichen unterschiedlich interpretieren. Deshalb entstehen in den verschiedenen Städten, in die der ʿuṯmānische Text geschickt wurde, unterschiedliche Lesetraditionen. Denen entwachsen die sieben kanonischen Lesarten, die die heutige islamische Tradition kennt.[82] Diese Lesarten gehen auf sieben berühmte Korankenner aus dem 8. Jahrhundert zurück.[83] Der Festlegung der sieben kanonischen Lesarten geht eine Entwicklung der Vereinheitlichung voraus. Bereits im 8. Jahrhundert endet die erste Hauptphase dieser Entwicklung mit der bereits erwähnten Eliminierung von nicht-ʿuṯmānischen Textformen. Die nächste Phase zu Beginn des 9. Jahrhunderts stützt sich wieder vermehrt auf die mündliche Tradition sowie als Neuerung auf das Majoritätsprinzip, arabisch iǧmāʿ. Dieses Prinzip besagt, dass eine Lesart nur dann als zulässig betrachtet wird, wenn sie sich auch auf eine Mehrheit der Leser berufen kann. Damit führt das iǧmāʿ-Prinzip zu einer Angleichung zwischen den in den verschiedenen Zentren der islamischen Welt (Mekka, Medina, Basra, Damaskus, Kufa) gebrauchten Lesarten.[84] Die von ʿUṯmān gewünschte Vereinheitlichung des Textes ist durch die verschiedenen Lesarten auch keinesfalls gefährdet. Denn die große Mehrzahl der Verse bietet keine Variationsmöglichkeiten. Vielmehr ist in der Regel für einen Vers eine Variante bekannt, die in einer Lesart auftaucht, während die anderen sechs Lesarten den Vers identisch wiedergeben.[85]

Die Festlegung auf sieben kanonische Lesarten geht zurück auf den Korangelehrten Ibn Muǧāhid[86]. Auf seine Initiative hin werden 934 sieben Lesarten als kanonisch anerkannt. Die anderen existierenden Lesarten werden von der Rezitation ausgeschlossen. Dabei handelt es sich bei den kanonischen Lesungen um

„sieben von je einer Autorität überlieferte Versionen des gesamten Korantextes.“[87]

Ibn Muǧāhid soll bei seiner Arbeit sehr gewissenhaft und mit einem Drang zur Perfektion vorgegangen sein. So berichten Quellen von einem Traum Ibn Muǧāhids, in dem er den Koran mehrmals vorträgt. Dabei macht er zwei Fehler und verzweifelt darüber. Doch Gott tröstet ihn, indem er ihn daraufhin weist, dass Vollkommenheit allein ihm, also Gott, vorbehalten ist. So ist der islamischen Koranwissenschaft zwar äußerste Akribie zuzuschreiben, doch einer vollständigen Vereinheitlichung des Korantextes verwehrt sie sich dann doch.[88] Die Wahl der sieben Lesarten trifft Ibn Muǧāhid dann auch nicht willkürlich. Er orientiert sich an der Prominenz einzelner Koranautoritäten in den islamischen Städten Mekka, Medina, Basra, Damaskus und Kufa aus dem 8. Jahrhundert. So gibt es schließlich aus jedem dieser Zentren der islamischen Welt eine kanonische Lesart beziehungsweise aus Kufa drei Lesungen[89].[90] Bei der Fixierung der sieben Lesarten orientiert sich Ibn Muǧāhid an überlieferten Besonderheiten der Rezitation der von ihm ausgewählten Koranleser. Durch diese Besonderheiten versucht er allgemeine Charakteristika abzuleiten und wendet die dann durch Analogieschluss auf den gesamten Text an. Trotz der Tatsache, dass diese Charakteristika für den gesamten Text nicht ausdrücklich bezeugt sind, findet das Werk des Ibn Muǧāhid schnell großen Anklang. Es erlegt der Koranrezitation jedoch auch den Zwang auf, sich bei einer einzelnen Rezitation vollständig an eine Lesart zu halten. Es ist nun nicht mehr möglich, den einen Vers nach der einen und den nächsten nach einer anderen Lesart vorzutragen.[91]

Trotz der großen Anerkennung durch die umma[92] bleibt das Werk Ibn Muǧāhids jedoch nicht völlig unangefochten. Die Sieben wird zwar in ihrem symbolischen Sinn und in ihrer Überschaubarkeit anerkannt, doch werden nachträglich noch weitere Lesarten hinzugefügt. So entstehen neben dem System der sieben kanonischen Lesarten noch Achter-, Zehner-, und Vierzehner-Systeme.[93]

[1] Neuwirth, 2006, a.a.O., S. 101.

[2] Nagel, 1983, a.a.O., S. 19.

[3] Tradentenkette

[4] Nagel, 1983, a.a.O., S. 19.

[5] Normsetzende Taten und Worte des Propheten

[6] Nagel, 1983, a.a.O., S. 19.

[7] Nagel, 1983, a.a.O., S. 27.

[8] Goldziher, Ignaz: Die Richtungen der islamischen Koranauslegung, Leiden, Buchhandlung und Druckerei vormals E.J. Brill, 1920. S. 2 – 3.

[9] Paret, a.a.O.

[10] Nagel, 1983, a.a.O., S. 15.

[11] Neuwirth, 2006, a.a.O., S. 103.

[12] Der Koran der Azhar-Universität in Kairo stellt den Korantext in wissenschaftlich zuverlässiger Form dar. Neben rituellen Erfordernissen ermöglicht diese Ausgabe mit ihrer exakten Abbildung der Schrift einen Rückschluss auf den Text der Redaktion des ʿUṯmān. Noch heute orientieren sich die meisten gedruckten Korane an dem Kairiner Koran. (Bobzin, a.a.O., S. 109.)

[13] Neuwirth, 2010. S. 235.

[14] Ebd.

[15] Wie weiter unten noch aufzuzeigen ist, stellt Christoph Luxenberg jedoch die mündliche Tradition in Frage. Er verbannt die These einer gesicherten mündlichen Überlieferung ins Reich der Legenden. (Luxenberg, 2011, a.a.O., S. 342.)

[16] Bobzin, a.a.O., S. 21.

[17] Näheres s. II.4.

[18] Cook, a.a.O., S. 156.

[19] Wie in II.1. gezeigt, hat dieses Wort seinen Ursprung vermutlich im Hebräischen bzw. Syrischen.

[20] Ausnahme ist Sure 1 Die Eröffnende, arabisch al-fātiḥa, die eine der kürzesten Suren ist, aber den Koran eröffnet.

[21] Bobzin, a.a.O., S. 21.

[22] Ebd.

[23] Cook, a.a.O., S. 144.

[24] Schriftbesitzer; Bezeichnung für Angehörige der Buchreligionen.

[25] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 239f.

[26] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 240f.

[27] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 242.

[28] Ebd.

[29] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 243.

[30] Nagel, 1983, a.a.O., S. 17f.

[31] Reg. 632 – 634

[32] Gest. 741

[33] Nagel, 1983, a.a.O., S. 18.

[34] Cook, a.a.O., S. 145.

[35] Reg. 634 – 644

[36] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 243f.

[37] Nagel, 1983, a.a.O., S. 19f.

[38] Nagel, 1983, a.a.O., S. 21.

[39] Halm, a.a.O., S. 24 – 25.

[40] 670 wird im heutigen Tunesien die Lagerstadt Kairuan, arabisch al-Qairawān gegründet. 711 erreicht die Expansion durch arabisch-berberische Kontigente im Westen über die heutigen Maġ̣rib-Staaten und die Meerenge von Gibraltar die iberische Halbinsel und 732 wird ein Versuch unternommen, das Frankenreich zu überrennen. Dieser Versuch scheitert jedoch, als die muslimischen Truppen von Karl Martell geschlagen werden. Etwa zeitgleich breitet sich das islamische Reich auch nach Osten aus und erreicht mit den Eroberungen von Buḫārā im Jahr 710 und Samarkand 712 Zentralasien. 751 erobern die Araber schließlich Taschkent, wo sie auf chinesische Vorposten treffen und die islamische Expansion vorerst endet. (Halm, a.a.O., S. 25.)

[41] Reg. 656 – 661

[42] Reg. 661 – 680

[43] Nagel, 1983, a.a.O., S. 20.

[44] Halm, a.a.O., S. 23f.

[45] Nagel, 1983, a.a.O., S. 20.

[46] Nagel, 1983, a.a.O., S. 21f.

[47] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 244.

[48] Goldziher, a.a.O., S. 9.

[49] Ebd.

[50] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 245.

[51] Nagel, 1983, a.a.O., S. 20f.

[52] Bobzin, a.a.O., S. 102.

[53] Gest. 692

[54] Luxenberg, 2011, a.a.O., S. 41.

[55] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 246.

[56] Goldziher, a.a.O., S. 10.

[57] Nagel, 1983, a.a.O., S. 23.

[58] Nagel, 1983, a.a.O., S. 22f.

[59] Nagel, 1983, a.a.O., S. 25.

[60] Nagel, 1983, a.a.O., S. 23.

[61] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 254.

[62] Nagel, 1983, a.a.O., S. 23.

[63] Nagel, 1983, a.a.O., S. 23f.

[64] Bobzin, a.a.O., S. 103.

[65] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 253.

[66] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 253f.

[67] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 254.

[68] Punkte bzw. Striche ober- und unterhalb der Konsonanten

[69] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 254.

[70] Bobzin, a.a.O., S. 103.

[71] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 254f.

[72] Nagel, 1983, a.a.O., S. 24.

[73] Ebd.

[74] Nagel, 1983, a.a.O., S. 24f.

[75] Nagel, 1983, a.a.O., S. 25.

[76] Ebd.

[77] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 256.

[78] Nagel, 1983, a.a.O., S. 25.

[79] Bobzin, a.a.O., S. 104.

[80] Nagel, a.a.O., S. 25f.

[81] Ebd.

[82] Bobzin, a.a.O., S. 104.

[83] Nagel, 1983, a.a.O., S. 26.

[84] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 258.

[85] Nagel, 1983, a.a.O., S. 26.

[86] Gest. 936

[87] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 258

[88] Nagel, 1983, a.a.O., S. 26.

[89] Medina: Nāfiʿ – gest. 785; Mekka: Ibn Kaṯīt – gest. 738; Basra: Abū ʿAmr ibn al-ʿAlā – gest. 770; Damaskus: Ibn Āmir – gest. 736; Kufa: ʿĀṣim – gest. 745, Ḥamza – gest. 773, al-Kisāʾī – gest. 804. (Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 259.)

[90] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 259.

[91] Nagel, 1983, a.a.O., S. 28.

[92] Gemeinde der Muslime

[93] Neuwirth, 2010, a.a.O., S. 259.

6 Kommentare

  1. Trägt man in einem Diagramm auf der waagrechten Achse die Suren nach ihrer Reihenfolge in den Koran-Exemplaren ein und senkrecht dazu die Zahl der Verse einer jeden Sure und verbindet die Punkte durch Linien miteinander, dann erhält man die beiden Namen ALLAH und MUHAMMAD übereinanderliegend. Dabei ist zu beachten, daß das End-h in ALLAH in einer Weise geschrieben ist, die sich erst später entwickelt hat und zur Zeit der Niederschrift des Korans noch unbekannt und nicht verbreitet war, was ausschließt, daß jemand zur Zeit Muhammads oder ´Uthmans sich dies hätte ausdenken können, schließt also Gestaltung dieses Diagramms durch Menschen aus. Es beweist, daß die Anordnung der Suren in ihrer heute in den Koran-Exemplaren gebräuchlichen Reihenfolge nicht erst später erfolgt sein kann, sondern Bestandteil der göttlichen Offenbarung ist. Es beweist weiterhin, daß keine Sure hinzugefügt oder weggelassen und in ihrem Umfang weder vergrößert noch verringert worden ist, da andernfalls die Schriftzüge der beiden genannten Namen nicht mehr richtig erscheinen würden.

  2. Wer sich eingehend mit der verschiedenen Koran-Lesarten beschäftigt, kommt zu dem Schluß, daß die mündliche Überlieferung niemals unterbrochen war, wie Luxenberg das für seine abwegige These voraussetzt, jedoch nicht beweist – da er es nicht kann.

  3. Wenn ich mich recht erinnere, soll Prof. Ohlig als Hinweis dafür, daß die ersten Muslime sich als christliche Sekte verstanden hätten, eine in frühislamischer Zeit nach der Eroberung Syriens geprägte Münze mit einem Kreuz genommen haben. Prof. Sven Kalisch habe dann diesen scheinbaren Beweis für seine Verleugnung der historischen Existenz des Propheten Muhammad aufgegriffen. Ein anderer nichtmuslimischer Gelehrter wandte damals sogleich ein, daß Währungen konservativ seien, wofür er Beispiele nannte, und daß die Muslime die Münzen aus vorislamischer Zeit in den von ihnen eroberten Ländern eine Zeitlang weiterhin nachprägten. In der „Islamischen Zeitung“ war einmal die Abbildung einer solchen in frühislamischer Zeit geprägten Münze mit dem Kopf und der Krone eines persischen Sassanidenkönigs zu sehen. Demnach hätten die ersten Muslime sich nicht nur für Christen, sondern auch für Zoroastrier halten müssen. Was für ein Unsinn! Die These, die Muslime hätten die Gestalt des Propheten Muhammad erst später erfunden, setzt eine Massenverschwörung hunderter, wenn nicht tausender von Überlieferern voraus. Eine Vorstellung, die der gesunde Menschenverstand ablehnen muß, die aber für den ehemaligen Schi´iten Sven Kalisch nicht so abwegig erscheint, da die schi´itische Häresie eine solche für die Prophetengefährten annimmt, die sich angeblich gegen ´Ali ibn Abi Talib verschoren hätten.

    • Jule

      2. November 2014 at 18:03

      Die These Ohligs von der nachträglichen Schaffung einer hagiographischen Geschichte des Propheten halte ich ebenfalls für unhaltbar. Das Schiitentum als Häresie zu bezeichnen, lehne ich jedoch ab. Sie ist nicht mehr oder weniger häretisch wie jegliche Konfession in jeglicher Religion.

      • Die Schi´a als „Häresie“ zu bezeichnen, ist wohl etwas überzogen, und ich nehme diese Bezeichnung zurück. Vielmehr sind es einige von den Schi´a vertretene Dogmen, die aus sunnitischer Sicht zu verwerfen sind, was aber nicht bedeuten muß, die Schi´a als außerhalb des Islams stehend zu sehen.

        • Jule

          2. November 2014 at 21:49

          Dankeschön. Das ist eine persönliche Definition, die ich nachvollziehen kann, Serval. Auf diesem Weg möchte ich mich auch für das generelle Feedback von Ihnen bedanken. Es freut mich, wenn hier Meinungen vertreten und ausgetauscht werden.

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